Bewerbungs-Guide
Bezahlte Projektarbeit: Leistung, Zeit und Honorar klären
So zeigst du deine Eignung und vereinbarst einen überschaubaren Auftrag.
Stand: · Redaktion: Kunstausschreibungen.com
Für deine Bewerbung gelten die aktuellen Vorgaben des Anbieters. Die verlinkten Programme dienen als Beispiele; ob eine Runde offen ist, prüfst du beim Anbieter.
In diesem Guide
Du sollst eine Installation mitentwickeln, bei einer Produktion mitarbeiten oder ein Projekt künstlerisch begleiten. Das kann gut zu dir passen. Nur: Was genau ist dein Beitrag, wie viel Zeit braucht er und was wird dafür bezahlt? Diese Fragen gehören zusammen. In deiner Bewerbung zeigst du, dass du das Vorhaben verstehst und deine Rolle darin verlässlich übernehmen kannst.
Die Aufgabe in eigene Worte übersetzen
Nimm eine Formulierung wie „künstlerische Begleitung“. Das kann vieles heißen: gemeinsam einen Entwurf entwickeln, regelmäßig vor Ort sein oder eine ganze Produktion umsetzen. Frag dich beim Lesen, was am Ende von dir vorliegen soll. Solange du das nicht sagen kannst, lässt sich auch das Honorar kaum beurteilen.
Notiere Ergebnis, Arbeitsschritte, Ort, Termine und Zusammenarbeit. Unterscheide selbstständigen Auftrag und Anstellung. Wenn du dich auf eine Stelle bewirbst, gelten deren Bewerbungsanforderungen; eine Honorarkalkulation für Selbstständige ersetzt kein Gehaltsangebot. Die Überschrift „Projekt“ entscheidet diese Frage nicht.
Geht es um die Entwicklung und Herstellung eines eigenständigen Werks, lies ergänzend den Guide zur Bewerbung um Kunstaufträge. Er erklärt auch den Unterschied zwischen Vorauswahl und ausgearbeitetem Entwurf.
Eignung durch einen konkreten Beitrag zeigen
Wähle Arbeitsbeispiele danach aus, was du in diesem Projekt leisten sollst. Beim Aufbau einer Installation kann dein Umgang mit Material mehr erklären als eine lange Ausstellungsliste. Bei einem partizipativen Vorhaben ist interessant, wie du mit den Beteiligten gearbeitet hast. Mach diesen Zusammenhang sichtbar, statt darauf zu hoffen, dass das Gegenüber ihn selbst findet.
Erzähle kurz, was die Aufgabe war, welchen Teil du übernommen hast und was daraus geworden ist. Dazu gehören auch die Grenzen deiner Rolle. Kannst du die künstlerische Konzeption übernehmen, brauchst aber für Elektroarbeiten eine qualifizierte Fachperson, dann benenne das. So lässt sich die Zusammenarbeit vernünftig planen.
Diese Unterlagen können sinnvoll sein
- kurze aufgabenbezogene Bewerbung mit deiner möglichen Rolle;
- ausgewählte Arbeitsbeispiele und ein passender Lebenslauf;
- Verfügbarkeit und realistische Zeitplanung;
- bei einer Angebotsanfrage: Leistungsbeschreibung und nachvollziehbare Kalkulation;
- verlangte Qualifikationen, Referenzen oder Nachweise.
Die Ausschreibung entscheidet, was eingereicht wird. Versende keine unnötigen personenbezogenen Nachweise und keine umfangreiche Konzeptentwicklung, wenn zunächst nur Arbeitsproben gefragt sind.
Honorar für die ganze Arbeit kalkulieren
Der Termin vor Ort ist nur ein Teil deiner Arbeit. Davor bereitest du vor und stimmst dich ab, danach dokumentierst du vielleicht oder baust wieder zurück. Rechne diese Zeit mit. Hinzu kommen je nach Auftrag Material, Assistenz, Reise und Übernachtung. Kläre, was in den genannten Terminen enthalten ist und ob das Budget diese Ausgaben zusätzlich zum Honorar deckt.
Ein selbstständiges Honorar lässt sich nicht einfach mit dem Bruttostundenlohn einer Anstellung vergleichen. Betriebsausgaben, soziale Absicherung, Ausfallzeiten und nicht unmittelbar abrechenbare Arbeit müssen mitfinanziert werden. Der BBK erläutert diese Kalkulationslogik; seine Empfehlungen sind grundsätzlich keine gesetzlichen Tarife. Quelle: BBK, FAQ zum Leitfaden Honorare.
Für Österreich bieten IG Bildende Kunst und Künstler*innen Vereinigung Tirol eigene Empfehlungen für künstlerische Tätigkeiten. Verwende die passende aktuelle Fassung und unterscheide Basissätze für bestimmte Leistungen von Stundensätzen für die Kalkulation. Deutsche Empfehlungen sind nicht automatisch österreichische oder Schweizer Vorgaben. Quelle: Leitfaden und Honorarspiegel 2026.
Ein kleines Zeitbudget statt einer Bauchgefühl-Summe
Fiktives Beispiel für eine überschaubare künstlerische Mitarbeit. Die Stunden sind frei gewählt und keine Empfehlung für jeden Auftrag. Setze deinen eigenen tragfähigen Satz ein.
Auf kleinen Bildschirmen kannst du die Tabelle seitlich bewegen.
| Arbeitsschritt | Beispielzeit | Woran du sonst leicht vorbeirechnest |
|---|---|---|
| Vorbereitung und Materialtests | 6 Stunden | Auch verworfene Tests brauchen Zeit |
| Abstimmung und Freigabe | 3 Stunden | Vor- und Nachbereitung der Gespräche |
| Umsetzung vor Ort | 12 Stunden | Zugang, Aufbau und realistische Pausenplanung |
| Dokumentation und Abschluss | 3 Stunden | Übergabe, vereinbarte Dateien und Schlussabstimmung |
| Gesamte eigene Projektarbeit | 24 Stunden | Reisezeit und zusätzliche Aufgaben hier noch nicht enthalten |
Dein Arbeitshonorar ergibt sich in dieser vereinfachten Rechnung aus 24 Stunden × deinem kalkulierten Stundensatz. Material, externe Leistungen und Reiseauslagen listest du gesondert. Prüfe dabei, was dein Satz schon abdeckt: Eine Position darf nicht unbemerkt zweimal in der Rechnung auftauchen. Gegenüber einem Auftraggeber zählt anschließend die vereinbarte Leistung; die interne Stundenrechnung hilft dir, deren Preis zu beurteilen.
Reicht das Budget nicht, sprich über den Umfang. Vielleicht lassen sich weniger Fläche, weniger Termine oder ein kleinerer Beitrag sinnvoll vereinbaren. Prüfe dann, ob diese Variante für beide Seiten funktioniert. Dieselbe Arbeit für weniger Geld braucht weiterhin dieselben Stunden. Kommt später ein zusätzlicher Termin dazu, besprecht gemeinsam, was das für Zeit, Kosten und Fertigstellung bedeutet.
Vor dem Start den Umfang festhalten
Beschreibt gemeinsam, woran ihr erkennt, dass dein Beitrag fertig ist. Bei einem Auftrag könnte das ein abgestimmtes Gestaltungskonzept mit Umsetzung an einem bestimmten Ort und einer festgelegten Dokumentation sein. Klärt dabei gleich, wie viele Abstimmungen und Änderungen dazugehören. Wer entscheidet verbindlich, wer gibt Zwischenstände frei und wie wird zusätzliche Arbeit vereinbart? Diese Fragen helfen euch später im laufenden Projekt.
Ein Zahlungsplan kann sich an Beginn, freigegebenem Zwischenstand und Fertigstellung orientieren. Ob das zum Auftrag passt, klärt ihr gemeinsam. Halte auch Ausfall, Terminverschiebung, Zugang zum Arbeitsort und die Freigabe zur eigenen Portfolio-Nutzung fest. Lass offene Haftungs- oder Beschäftigungsfragen vor Vertragsabschluss fachlich klären.
Entwickelt ihr das Vorhaben gemeinsam und verteilt auch Entscheidungen, ergänzt die Rollen- und Aufgabenübersicht für Kooperationen deine Leistungsbeschreibung.
Beispiel für eine Bewerbung
Fiktives Muster für eine Anfrage nach künstlerischer Mitarbeit:
Guten Tag, für Ihr Projekt kann ich die malerische Gestaltung und die Abstimmung der Materialausführung übernehmen. Bei einer vergleichbaren Zusammenarbeit habe ich einen vorhandenen räumlichen Entwurf in eine umsetzbare Farbgestaltung übersetzt und den Aufbau begleitet. Die zwei Arbeitsbeispiele zeigen meinen jeweiligen Beitrag. Im genannten Zeitraum bin ich verfügbar. Für ein belastbares Angebot müsste noch geklärt werden, ob Vorbereitung, Materialbeschaffung und Rückbau Teil des Auftrags sind.
Die Rückfrage im Beispiel betrifft genau die Information, die für ein Angebot noch fehlt. Das macht sie hilfreich. Was bereits eindeutig in der Ausschreibung steht, musst du dir dagegen nicht noch einmal bestätigen lassen.
No-Gos und praktische Tipps
Mit „alles inklusive“ legst du dich weit fest. Verwende so eine Zusage nur, wenn klar ist, was „alles“ umfasst. Das gilt besonders für Korrekturen und zusätzliche Termine. Bevor du loslegst, sollten alle Beteiligten dieselbe Vorstellung vom Ergebnis und vom Honorar haben.
Ein einfacher Satz hilft dir dabei: „Fertig ist mein Beitrag, wenn …“. Kannst du ihn nicht zu Ende bringen, fehlt wahrscheinlich noch eine Vereinbarung. Halte nach wichtigen Gesprächen kurz fest, was entschieden wurde, wer etwas liefert und bis wann. So kannst du dich auf die Arbeit konzentrieren, statt später verschiedene Erinnerungen an dieselbe Absprache zusammenzubringen.
Checkliste vor Zusage und Einreichung
- Du kannst das gewünschte Ergebnis und deine Rolle klar benennen.
- Arbeitsbeispiele und Erfahrung belegen genau diese Rolle.
- Vorbereitung, Termine und Nachbereitung sind berücksichtigt.
- Honorar, Auslagen und Material sind voneinander getrennt.
- Änderungen, Freigaben und Zahlung sind besprochen.
- Nutzungsrechte, Dokumentation und mögliche offene Vertragsfragen sind geklärt.
Zum Abschluss hältst du die vereinbarten Leistungen fest und prüfst die Abrechnung. Wenn es für das Projekt passt, vereinbare eine Referenz, die du später zeigen darfst. Beschreibe darin deinen eigenen Anteil. Bei der nächsten Bewerbung hast du dann ein konkretes Beispiel dafür, was du leisten kannst.
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