Bewerbungs-Guide
Ausstellungsbewerbung: die richtigen Arbeiten überzeugend zeigen
Werkserie, Bilder, Kurztext und die Bedingungen vor der Einlieferung.
Stand: · Redaktion: Kunstausschreibungen.com
Für deine Bewerbung gelten die aktuellen Vorgaben des Anbieters. Die verlinkten Programme dienen als Beispiele; ob eine Runde offen ist, prüfst du beim Anbieter.
In diesem Guide
Du hast Arbeiten, die du zeigen möchtest, und ein Open Call scheint dazu zu passen. Jetzt musst du eine Auswahl treffen. Welche Bilder sollen die Jury sehen, und was muss sie darüber wissen? Eine gute Ausstellungsbewerbung macht deine Arbeit verständlich und zeigt den Bezug zu diesem Vorhaben. Dazu gehören gute Fotos und ein klarer Text. Lies daneben von Anfang an, wer teilnehmen darf und welche Verpflichtungen mit einer Zusage verbunden wären.
Thema, Zugang und Raum zuerst prüfen
Lies, ob Einzelkünstler, Gruppen oder Mitglieder angesprochen sind. Prüfe Wohn- oder Arbeitssitz, Medium, Werkalter und weitere Einschränkungen. Eine Mitgliederausstellung ist nicht automatisch ein frei zugänglicher Open Call.
Schau dir Thema, Institution und Raum an. Wo findest du eine Verbindung zu deiner Arbeit? Wähle eine Werkgruppe, an der diese Verbindung sichtbar wird. Es hilft dem Gegenüber, wenn die Arbeiten miteinander sprechen. Eine Sammlung aller Stilrichtungen, die du je ausprobiert hast, kann diesen Zusammenhang verdecken. Wird ein konkreter Ausstellungsvorschlag verlangt, braucht deine Bewerbung außerdem mehr als ein allgemeines Portfolio.
Die folgenden Schritte sind redaktionelle Empfehlungen. Umfang, Dateiformat, Bildanzahl und Einreichungsweg legt immer der aktuelle Call fest.
Eine nachvollziehbare Werkgruppe auswählen
Lege die möglichen Arbeiten nebeneinander und suche den Zusammenhang. Vielleicht ist es eine gemeinsame Frage, ein Motiv, die Farbe, das Material oder deine Arbeitsweise. Schreibe zu jedem Werk einen Satz: Warum gehört es in diese Bewerbung? Wenn du bei einer Arbeit keine Antwort findest, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Auswahl.
Zeige Gemälde zunächst vollständig und möglichst frontal. Kontrolliere Schärfe, Farbe, Spiegelungen und Bildränder. Ein Detail kann die Materialität erklären, wenn zusätzliche Ansichten erlaubt sind. Kennzeichne, wenn mehrere Bilder dasselbe Werk zeigen. Bei räumlichen Arbeiten hilft eine Ansicht im Zusammenhang.
Gib jedem Bild eine eindeutige Legende mit Titel, Jahr, Technik und Maßen. Ergänze Rahmung, Gewicht oder Befestigung dort, wo diese Angaben für Auswahl und Umsetzung gebraucht werden. Damit hilfst du dem Haus, den Aufwand einzuschätzen. Ein schweres oder besonders großes Werk sollte schon bei der Planung erkennbar sein.
Wenn du bei Auswahl oder Reihenfolge deiner Arbeiten feststeckst, helfen die drei konkreten Fragen für ein Portfoliofeedback, das Problem einzugrenzen.
Kurztext und Unterlagen verständlich halten
Beginne im Kurztext mit dem, was man an den Arbeiten sehen kann. Welche Frage beschäftigt dich, und warum hast du genau diese Werke ausgewählt? Stelle den Bezug zum Call her, statt nur dessen Thema zu wiederholen. Dein Lebenslauf ergänzt den Hintergrund. Die Erklärung der Werke braucht ihren eigenen Platz.
Je nach Vorgabe brauchst du:
- Werkabbildungen und vollständige Bildangaben;
- kurzen Serien- oder Projekttext und gegebenenfalls ein Künstlerstatement;
- Lebenslauf oder Kurzbiografie;
- technische Angaben, Hängungs- oder Raumvorschlag;
- gegebenenfalls Produktionsplanung, Budget oder Nachweise.
Lass ungefragte Presseartikel und zusätzliche Anhänge weg. Verwende das Portal, wenn es vorgeschrieben ist. Ein Anschreiben per E-Mail ist kein Ersatz für ein Pflichtformular.
Werkdaten so ordnen, dass niemand raten muss
Eine kleine Werkübersicht verbindet Bild, Text und Logistik. Das folgende Beispiel ist erfunden. Übernimm nur die Angaben, die der Call verlangt; Transportdaten können erst bei einer Zusage nötig werden.
Auf kleinen Bildschirmen kannst du die Tabelle seitlich bewegen.
| Feld | Fiktives Beispiel | Warum es hilft |
|---|---|---|
| Eindeutige Werkkennung | N01 – „Nachbild, Flur“ | Foto, Werktext und Einlieferung beziehen sich auf dasselbe Werk |
| Jahr, Technik, Maße | 2025, Acryl auf Leinwand, 80 × 60 cm, Höhe × Breite | Material und Größenverhältnis sind verständlich |
| Zustand und Rahmung | Ungerahmt; kleine Druckstelle an der linken Kante dokumentiert | Die Übergabe lässt sich später vergleichen |
| Verfügbarkeit | Für den genannten Zeitraum verfügbar | Keine widersprüchliche Zusage für eine andere Ausstellung |
| Aufbau | Hängung an zwei Punkten; Details vorab abzustimmen | Das Haus kann den Aufwand prüfen |
Nutze dieselbe Kennung im erlaubten Dateinamen und in der Werkübersicht. Bei anonymen Verfahren ersetzt die vorgeschriebene Kennziffer persönliche Angaben. Eine Signatur im Werk behandelst du nach den konkreten Regeln; verändere eine Abbildung nicht unbemerkt so, dass ein anderes Werk vorgetäuscht wird.
Drei Texte mit unterschiedlichen Aufgaben
Werktext, Künstlerstatement und Biografie werden leicht durcheinandergebracht. Ein Werktext erklärt die konkrete Arbeit oder Serie. Ein Künstlerstatement beschreibt die Fragen und Verfahren deiner Praxis. In der Biografie steht dein beruflicher Hintergrund. Schau also zuerst, welcher Text gefragt ist. Für einen Werktext beginnst du bei den eingereichten Bildern und erklärst dann die künstlerische Frage dahinter.
Bearbeite deine Fotos so, dass sie das Werk möglichst getreu wiedergeben. Bildbestimmende Elemente bleiben erhalten, und eine unvollendete Arbeit muss als solche erkennbar bleiben. Kennzeichne digitale Entwürfe und Raumvisualisierungen. Die Jury soll auf Grundlage dessen entscheiden können, was tatsächlich vorhanden oder geplant ist.
- AuswahlPassende Werke mit vollständigen Angaben zeigen.
- VereinbarungKosten, Leihdauer, Transport und Rechte klären.
- ÜbergabeWerkliste und Zustand gemeinsam festhalten.
- RückgabeZustand, Abrechnung und Dokumentation prüfen.
Vor Hin- und Rücktransport klären, wer zuständig ist. Eine Zusage allein beantwortet die Logistik nicht.
Vor der Zusage Kosten und Leistungen trennen
Bei einer Zusage schau genau hin, welche Leistungen angeboten werden. Honorar, Produktionsmittel, Transport, Versicherung und Dokumentation erfüllen unterschiedliche Zwecke. Welcher Betrag bezahlt deine Arbeit, welche weiteren Kosten übernimmt das Haus? Gerade ein Produktionszuschuss kann schnell für die Herstellung aufgebraucht sein. Plane ihn deshalb nicht zugleich als zusätzliches persönliches Honorar ein.
Berufsverbände empfehlen Vergütung für künstlerische Leistungen. Daraus folgt nicht, dass jede Ausstellung gesetzlich denselben Betrag zahlen muss. Der BBK erläutert Unterschiede zwischen Empfehlungen und konkreten Fördervorgaben. Die IG Bildende Kunst bietet eine eigene österreichische Orientierung. Quellen: BBK, FAQ zum Leitfaden Honorare und IG Bildende Kunst, Leitfaden 2026.
Eine unbezahlte Ausstellung ist nicht allein deshalb Betrug. Beurteile, ob Leistungen, Kosten, Eigenarbeit und künstlerischer Kontext für dich nachvollziehbar und tragbar sind. Ein bekannt klingender Name ersetzt diese Prüfung nicht.
Leihgabe, Versicherung und Rücktransport vereinbaren
Denke bei der Leihgabe den ganzen Weg mit: Welche Werke gibst du in welchem Zustand ab, wer bezahlt Hin- und Rücktransport und wann bekommst du sie zurück? Besprecht auch Aufbau, Abbau und deine Anwesenheit samt Reise und Unterkunft, soweit sie anfallen. Halte den Zustand vor der Übergabe fest. Bei der Rückgabe könnt ihr ihn dann gemeinsam vergleichen.
Frage nach dem genauen Versicherungsumfang und einer Bestätigung. „Von Nagel zu Nagel“ bezeichnet einen Schutz, der Transport und Ausstellungszeit einschließen soll. Daraus folgt nicht, dass der konkrete Veranstalter ihn tatsächlich abgeschlossen hat oder jede Gefahr gedeckt ist. Bedingungen und Ausschlüsse müssen geprüft werden. Quelle: touring artists, Sachversicherungen.
Bei einem Transport über die Schweizer Grenze planst du die Zollformalitäten vor der Fahrt. Die Checkliste von IGBK und Visarte unterscheidet unter anderem vorübergehende Verwendung für Ausstellungen und endgültige Einfuhr. Quelle: Kunsttransporte Deutschland–Schweiz.
Verkauf, Bilder und Dokumentation klären
Wenn Werke verkauft werden können: Wer verkauft, wer stellt die Rechnung, welche Provision fällt auf welchen Betrag an und wann wirst du ausgezahlt? Kläre auch Rabatte und den Zeitpunkt der Abholung.
Regelt die Nutzung von Werkabbildungen für Website, Presse, Einladungen und Katalog. Prüfe, ob weitere Werbung oder Bearbeitungen eingeschlossen werden sollen. Bei professionellen Ausstellungsfotos brauchst du für die eigene Nutzung ebenfalls eine passende Vereinbarung und den richtigen Fotografennachweis. Weiterführende Fragen findest du im Lizenz-Guide.
Vergleichst du den Open Call mit einem kostenpflichtigen Messestand, lies die Gesamtrechnung für eine Kunstmesse. Sie macht sichtbar, welche Kosten bereits vor dem ersten Verkauf entstehen.
Beispiel für eine Bewerbung
Fiktives Muster, falls ein Anschreiben vorgesehen ist:
Guten Tag, ich bewerbe mich mit der Werkserie „Nachbilder“ für Ihren Open Call zu Erinnerung und Raum. Die Gemälde verbinden beobachtete Innenräume mit Flächen, die aus wiederholtem Übermalen entstehen. Damit greift die Serie die Frage auf, wie vertraute Orte sich in unserer Erinnerung verändern. In der beigefügten Auswahl finden Sie die vorgeschlagenen Werke mit Daten sowie die verlangten Angaben zur Hängung.
Die Ansprache zeigt, was die Serie mit dem Thema verbindet. Das reicht als Ausgangspunkt. Ob sie überzeugt, soll an den Arbeiten und ihrer Erklärung erkennbar werden. Dafür musst du weder Einzigartigkeit noch eine bestimmte Wirkung auf das Publikum versprechen.
No-Gos und zwei hilfreiche Kniffe
Eine Verbindung zum Thema muss sich an den Arbeiten erklären lassen. Wenn du sie erst mit großen Behauptungen herstellen musst, prüfe die Auswahl noch einmal. Benenne technische Schwierigkeiten früh, schicke Originale nur auf Aufforderung und kläre Transport, Versicherung und Produktion. Dass ein Haus dich ausstellen möchte, beantwortet diese Kostenfragen noch nicht.
Öffne die fertige Datei mit etwas Abstand. Findest du Werke und Bilddaten sofort zusammen? Ergibt die Reihenfolge Sinn? Falls das Format es erlaubt, ergänze eine kleine Werkübersicht mit Vorschaubildern. Sie hilft später auch im Gespräch mit dem Haus und bei der Einlieferung.
Checkliste von Bewerbung bis Rückgabe
- Zugang und thematische Passung stimmen.
- Werkgruppe, Fotos und Bildangaben sind klar.
- Alle Pflichtunterlagen und technischen Angaben sind enthalten.
- Honorar, Produktion und eigene Kosten sind getrennt bekannt.
- Transport, Versicherung, Übergabe und Rückgabe sind vereinbart.
- Verkauf, Provision und Bildnutzung sind geklärt.
- Nach der Ausstellung prüfst du Werke, Abrechnung und erlaubte Dokumentation.
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